Dienstag, Oktober 17, 2006

Das wahre originale ‚Chinesische Essen’ oder ein eher ungewöhnlicher Abendspaziergang

Nachdem ich heute Morgen erneut einen ‚Jump-Start’ hingelegt habe (aufstehen 05:45Uhr, wer macht diese Termine nur immer so früh am Morgen? Grrr!!!) und heldenhaft auf das Frühstück verzichtet habe, bin ich hinter ein weiteres kleines Mosaik-Steinchen des Gewichtsgeheimnis der Chinesen gekommen: Nur um eine paar Kekse und etwas anderes als Wasser (aus dem Spender) oder grünen Tee (Blätter ‚Flavour Fresh’ in beschichteter Alu-Tüte verpackt und dann mit heißem Wasser aus dem Spender aufgefüllt (Ohne mich, die Legionellen können gerne im Heißwasserzweig des Spenders bleiben—hoffentlich tun sie das auch und bluppern nicht zurück in das Trinkwasser-Reservoir…) zum trinken zu kaufen musste ich über den kompletten Campus gehen, um dann aus der mäßigen Auswahl eines drittklassigen Supermarktes einem Hunger zu stillen. Das bei voller Sonne, ohne Schatten, jeweils 20min Wegstrecke (!!), da wird man zum Asketen. (Leider sind die Google Earth Bilder der Region ziemlich alt (pre 2003), so dass man das Mäandern durch den Campus anhand der Satellitenbilder nicht nachvollziehen kann.) Der Abends bin ich mit meinen Kollegen im Mayfair Hotel ausgestiegen und habe versucht mich ohne Karte (nein, ich bin nicht der Outdoor-King, sondern der Trottel, der die Karte schon wieder im Hotel hat liegenlassen) zu meinem Hotel, dem Hua Ting Hotel, durchzuschlagen. Zwischendurch sollte dann noch der Computerladen liegen, bei dem man den guten Netgear Router (FWD114P) hätte kaufen können sollen. Ich habe zwar die Adresse gefunden, nur den Laden nicht. Dies scheint hier ein gängiges Problem zu sein… Ich habe dann relativ schnell aufgegeben und bin vom Mayfair in Richtung Süden weitergegangen. Zuerst waren da eine Fressbude nach der anderen (und auch eine die ich fotografieren durfte): Obwohl es sich hier um einen ‚besseren’ Vorort zu handeln schien, gab es auch hier die unheilige Kombination von Friseur-Salons, ‚Food-Markets’, Autohändlern(!!) und Fressbuden. Die Frequenz der Geschäfte nahm dann ab, und auf einmal gab es Mikro-Enclaven: 4 oder 5 Auto-Reparaturwerkstätten, 3 oder 4 Steinmetze (die versuchten sich gerade beim Abladen eines 1,5x1x0,5m^3 großen Marmorblocks von einem Laster, ohne Kahn, Helden). Dann kamen die Gummi-Puppenläden und ich wusste, dass ich aus dieser Ecke lieber schleunigst verschwinden sollte! Bei der ‚Flucht’ durch das angrenzende Wohngebiet bin ich dann an einem Gemüseladen vorbeigekommen, bei dem man sich die Ware auch gleich garen lassen kann: Nicht wirklich dampfgaren, sondern das Gargut kommt in einen mit Drahtgittern segmentierten Topf (6 Segmente plus die Mitte, ja der war richtig groß, 45+cm Durchmesser) und wird vom ‚Chef’ mit einem der für die chinesische Küche so typischen Schaumlöffel aus Drahtgeflecht am Ende des Garvorgangs herausgefischt. Der Laden nebenan hat das gleiche Geschäftsmodel mit Dampfgaren umgesetzt: Das Gargut wurde in einem, am Boden gelochten Metall-Zylinder platziert, und als Turm über den ‚Dampfgarer’ gestellt. Leider wurde das Gemüse vor dem Garen nicht gewaschen und es war eine Traube von über 20 Menschen, die darauf wartete ihre Bestellung aufzugeben, zwischen mir und dem Snack. Weiter durch das Wohngebiet kam dann eine Zeitreise zum Anfang des letzten Jahrhunderts: ca. 50 Fahrradfahrer mit blauen Blaumännern und Mao-blauer Schirmmütze bekleidet, lauschten einer ebenso gekleideten ‚Vorleserin’ (ohne Mütze). Dabei versperrten Sie die halbe Straße. Leider wollten sie sich nicht fotografieren lassen, waren dann aber auch wirklich dankbar, als ich es nicht tat. Dann fing es wieder an zu stinken, ja die Seafood-Händler waren am Straßenrand: Vom Fisch (halb lebend), Stück eines frischen Fisches etc., bis zu den schon beschriebenen semitoten Krustentieren war alles zu haben. Kurz bevor ich nun endgültig nicht mehr wusste, wo ich nun genau bin, fingen die richtigen Geschäfte wieder an. Bei einem der ‚Anbieter’ sah man die frischen Zutaten für die wahre chinesische Küche: Hier sind der Hahnen-Kopf und die Hüher-Beine noch in ihrer Original-Farbe. Durch wiederholtes bestreichen mit einer Art Beize nehmen die Teile nach und nach die bekannte rot, besser rostbraune Farbe an. Und ihr habt richtig geraten, ich war feige und habe nicht probiert, sondern mich gefreut, dass ich den Wegweiser zum Stadium gefunden hatte. Gefühlte Wegstrecke 10km, Luftlinie Google Earth 4,27km, Zeit 2h45min. Wahrlich keine Rekordwerte, aber einmalig.

2 Comments:

Blogger Joachim said...

Oh oh, ich sehe Dich schon abgemagert wiederkommen...nischt zu beißen, lange Fußmärsche und Hühnerköpfe und Füße (yöks!!), schade um den guten "dual use" Anzug...aber wir päppeln Dich schon! Notfalls kann Policke ja ein paar Abnäher reinmachen...

9:21 nachm.  
Blogger Daniel said...

Hi, Mirko
damit du nicht glaubst nur Joachim interessiert sich für Deine Seite :-),
hab auch ich mich durch die Registrierung gekämpft.
Wir verfolgen auch jeden Deiner Schritte auf Googleearth.
Schade nur, dass dein GPS gehimmelt wurde.
Liebe Grüße AK und Daniel

11:56 vorm.  

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