Donnerstag, November 09, 2006

Die Mensa, geanauer die Mensae

Obwohl die Universität über mehrere Campi(!) über die gesamte Region Shanghai verstreut ist und der Jading Campus erst im Aufbau befindlich ist, gibt es hier schon unzählige Studenten, die zur Mittagzeit, hier etwas fixiert auf die Zeit zwischen 11:30 und 12:00Uhr, ‚gefüttert’ werden wollen. Mittlerweile gibt es in den größeren Gebäuden einzelne Verpflegungsstellen, d.h. Essensausgaben, in denen das aufgewärmte Essen nur verteilt wird. Am anderen Ende des Campus gibt es aber auch richtige Mensae (plural!). Die älteste und am leichtesten zu erreichende ist gleichzeitig die frequentierteste. Sie liegt im Erdgeschoß und gleicht einem ziemlich großen Saal. Der Geräuschpegel ist unerträglich: Nicht nur reden, schlürfen alle durcheinander, auch laufen die von der Decke herunterhängenden Fernsehgeräte pausenlos. Tablettputzer in der Mensa Echte Spitzen die der Geräuschbelastung verursachen jedoch die Tablettputzer (ja, wir fangen heute mal—fast—am Ende an): Es ist hier anscheinend so Sitte sein Tablett während des Essens so ziemlich maximal einzusauen und natürlich das Essen nicht ganz aufzuessen. Auch der beste Hobart, oder besser Hobart Nachbau, schafft es natürlich nicht 50+% Essen von den Tabletts zu spülen, so dass es je Essensraum eine Station gibt, in der die Essensreste mechanisch vom Geschirr getrennt werden. Und des ist die mechanisch, grobmotorische Variante: Das Tablett oder der Teller/Schüssel wird mit der Kante auf einen Hart-Gummi-Klotz aufgeschlagen und die Essensreste fallen/gleiten dann durch das Loch im Tisch in den darunter aufgestellten Topf (jetzt wissen wir auch alle, wofür man die 100l Töpfe auch wirklich braucht, von wegen Hummer…). Das mit der Trennung nach biologisch/nicht biologisch funktioniert nicht ganz so gut, die Plastikbecher finden sich aufgrund der doch eher als rudimentär zu beschreibenden Trennmethode zwischen den Essensresten.
Essensausgabe MensaUm an sein Essen zu kommen, legt man zuerst die mit Talern gefüllte RFID Karte auf den entsprechenden Leser (vorne rechts) und dann wird einfach nur gezeigt, was man haben möchte und wie oft. Die Preise pro Stück/Schale sind an den LED-Anzeigen angeschlagen. Für Nicht-Studenten gibt es dann noch einmal einen 50%igen Aufschlag, grrr, ich bin es doch der denen etwas beibringt, aber das Leben ist halt nicht fair. Neben den Zusammenstellen aus einzelnen großen Behältern, gibt es auch noch Ausgabestellen, in denen ein ‚Teil-Gericht’ schon auf einer ovalen Untertasse abgefüllt ist: Man sammelt sich dann die Untertassen zusammen, HALT!!!, RFID-Karte nicht vergessen vorher auf den Automaten zu legen. Jawohl, alle Ausländer sind Essensdiebe und Langnasen sowieso… Suppenausgabe Am interessantesten ist die Suppenausgabe. Wenn man die Zutaten in den Mini-Kochtöpfen genau anschaut, handelt es sich eigentlich mehr um eine wässrige Eintopf-Ausgabe: In emaillierten Kleinst-Kochtöpfen werden Fleisch und Gemüse über einem speziellen Gasherd mit unendliche vielen Einzel-Flammen gekocht. Heben der kleinen Kochtöpfe Man zeigt dann einfach nur auf den Topf, den man gerne haben möchte und er wird aus dem Meer an Töpfen mit einer unglaublich simplen, aber funktionierenden Draht-Konstruktion herausgehoben und direkt auf das Plastik-Tablett gestellt. Ja, da haben welche ein blindes Vertrauen in die Thermo-Stabilität. Leider haben die Tabletts keinen Recycling-Hinweis, der einem den Kunststoff verraten würde. Die Show ist klasse oder wie mein Kollege sagen würde: ‚Ganz großes Kino’, ich finde die in den Töpfen enthaltenen Knochsplitter für nicht ganz so toll, der Koch konnte das gar nicht verstehen (in mehr als einem Sinne), dass ich das nur fotografieren und nicht probieren wollte…
Da es mir in dem Raum einfach zu laut ist, gehen wir (auch nur weil die Langnase es so will) immer in die ‚Neue Mensa’ und da in den 2ten Stock (so heißt hier der erste Stock). Das ist den meisten einfach zuviel Lauferei, deshalb ist es nicht so voll und somit leiser, außerdem gibt es dort keine Fernseher.
Die Mahlzeiten sind in allen 3 Ebenen (Alte Mensa, Neue Mensa Erdgeschoß und Neue Mensa Erster Stock) verschieden! So kann es doch sein, dass wir auf dem langen Weg an etwas viel schmackhafter aussehenden vorbeigegangen sind, als das, was es dann im Zielgebiet zu essen gibt. Die Tabletts in die unterschiedlichen Bereiche zu tragen ist ein ganz großes ‚No-No’. Aber nachdem ich einmal Kartoffeln mit Fisch-Stücken überbacken in dem lauten Teil gegessen habe, weiß ich, dass Optik nicht alles ist: Die Chinesen sehen das mit den Gräten nicht ganz so eng und spucken auch gerne einmal (eigentlich hunderte von Malen) neben den Teller/Topf, um die unverdaulichen Stücke aus dem Mund zu entfernen. Irgendwie schaffen die es auch immer, dass nur der Knochen/die Gräte aus dem Mund fliegt, bei mir gibt es da immer noch einwenig mehr Splatter…

2 Comments:

Blogger Katharina said...

Also die 'Suppen' erinnern mich mehr an meine Kindheit. Mit altem Puppengeschirr und allem was man so in Haus und Garten gefunden hat wurde gekocht. Alle Erwachsenen mußten immer sagen 'oh wie lecker'
gegessen hat es keiner und das war auch besser so.
Ich glaube auf den Genuß dieser Suppen würde ich wohl verzichten wollen. Das 'oh wie lecker' wird in einer Mensa eher nicht erwartet!

3:45 nachm.  
Blogger Joachim said...

Es gibt Dinge die muss man einfach nicht lernen, wie z.B. Gräten abzufieseln und gezielt auszuspucken, ich glaube die Chinesen haben einfach genetisch bedingt die gelenkigeren Zähne...und den Splatter-Faktor kann ich mir nur zu gut vorstellen. Ansonsten Fotos die gut in den Ernährungsmedizin-Kurs gepasst hätten, danach will wirklich keiner mehr essen, was ist denn da alles drin, igitt. Hoch leben die Hühnerfüße!

Und für die zwanghaften Klugscheißer unter uns ist der Plural von Mensa Mensae und der von Campus ist trotz der Fragezeichen richtig in der i-Deklination campi und nicht etwa campus mit langem UU wie in der u-Deklination...I live to serve ;-)

8:33 nachm.  

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