Donnerstag, Mai 10, 2007

Lhasa-Shigatse-Tingri-Base Camp (CN)-Zhangnu-Kathmandu, 1st Leg

Wir sind extra früh losgefahren, da eine 400km lange Etappe vor uns liegen sollte. Ich hielt dieses 08:00Uhr losfahren für übertrieben. Wenigstens waren die beiden Toyota Land Cruiser (leider ohne Klimaanlage, sondern mit Klima-Anlage: Fenster runterkurbeln, wenn vor einem kein Staub aufgewirbelt worden ist...) pünktlich. Die Prachtstrasse in Lhasa, absolut ebene, betonierte, in jede Richtung 3-spurige Fahrbahn, mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 40km/h, war das Musterbeispiel des sinnlosen SUV Einsatzes. Nach 10km ging es links ab, auf eine Überland-Straße: Asphaltiert und gerade so breit, dass 2 LKW aneinander vorbei kommen. Normaler Weise sind die Ränder dieser Strassen jedoch mit Fußgängern, auf irgendetwas wartende Menschen oder Getier jedweder Art belegt. Das Hupen eines Fahrzeuges, das mein, der Platz reiche nicht, scheucht diese (Fahrbahn-)Rand-Bevölkerung kurz auf, damit das Hindernis vorbei kann, um dann wieder die alte Pose einzunehmen. Mittels Chronometer (wiegt jedenfalls soviel, wie das Wort lang ist) konnte ich unsere mittlere Reise-Geschwindigkeit zu 68km/h bestimmen: 400km schienen also kein Problem. Die fingen nach dem Mittag bei Kilometer 98 an, als ich meine Geschwindigkeits-Messung aufgrund des fehlenden Kilometer-Steins 99 nicht abschließen konnte (zwischen Dagar und Gondar): Stattdessen fuhren wir auf eine Y-Kreuzung zu, deren beide Arme aus Schotter- (links) bzw. Sand- (rechts) Piste bestanden. Wir fuhren rechts. Die Sand-Oberfläche war auf eine Art (Bahn-)Damm aufgeschüttet. Einzelne, auch für aufgebockte Full-Size SUVs noch gefährlich große und scharfkantige, polygone Steine, alle 20m markierten die Fahrspuren. Nach kurzer Fahrt auf dieser Piste kam die Einsicht, dass wir in einer Baustelle fahren. Nun ist der Straßenbau in Gebirgsregionen ein anderer, als in der Nord-Deutschen Tiefebene: Bei der Planung muss auf eine ausreichende Entwässerung geachtet werden. Alle 100m fanden sich, quer zur Fahrbahn verlaufende Beton-Rohre mit ca. 80cm Innen-Durchmesser. Diese Rohre, mit Ihren später einmal bündig mit der Teer-Oberfläche abschließenden, quadratischen Stirnflächen, lagen natürlich schon in ihrer endgültigen Position! Es war wie eine Berg-und-Tal-Fahrt: Alle 100m 30cm hinauf, um dann 1,2m später wieder 30cm hinab zu stolpern. Rampen gab es immer nur für eine Fahrspur, d.h. bei Gegenverkehr muss sich die 'Chinesische Ego Seele' koordinieren. Nach ein paar Kilometern kam der erste Bautrupp: Die V-förmigen (gleichseitig, Seitenlänge 1m!), immer einseitig parallel zur Fahrbahn verlaufende, Wasser-Rinne wurde mittels der schon von Fahrbahnteiler bekannten Steinen gemauert. Dann gab es, in für uns nicht ersichtlicher Regelmäßigkeit, auf einer Fahrspur mal einen Sand-, dann einen Kies- und/oder Stein-Haufen. Ein paar mehr Kilometer weiter, gab es einen weiteren Bautrupp, der mittels aus den bereits bekannten Steinen, Stein-Wände mauerte, um die oben gelegenen Fels-Wände zu stabilisieren... Die Durchfahrt durch eine solche, jeweils einige 100m lange Baustelle, muss man sich so vorstellen, als ob man quer-feld-ein durch eine 'deutsche' Haus-Baustelle läuft: Überall liegt etwas rum, muss noch eben kurz weg geräumt werden, muss sich jemand (meist widerwillig) weg bewegen. Besonders spannend wird das alles bei Gegenverkehr, insbesondere wenn der 'Gegner' ein 'Dong Feng' (hiesige LKW Marke) ist. Auf den Baustellen selbst ist Handarbeit noch richtig angesagt: Der Sand wird mittels Schaufeln auf aufgestellten Sieben nach Größe getrennt; der Mörtel wird ähnlich der Nudel-Teig Mischung, in runden, 1m durchmessenden Sand-/Zement-Wällen mit zentraler 'Wasser-Füllung' verrührt, der fertige Mörtel wird mittels Hand-Wagen/-Karen, wie sie bei uns vor 30 Jahren bei Hobby-Gärtnern sehr beliebt waren, weiter verteilt (Achse über dem Schwerpunkt der gefüllten Karre, also keine zusätzliche Hebekraft zum Fortbewegen nötig); die Steine werden mittels Holzgestell auf dem Rücken, von den Haufen zur Endposition gebracht (hierbei wuchten 2-3 ArbeiterInnen(!!), den jeweiligen Stein, auf den, nach vorne gebeugten Träger mit dem 'Holz-Rucksack'). Jede Baustelle hat einen Kompressor, der so aussah, als hätte man 2 Gasflaschen genommen, sie parallel zusammen unter einen (1930) handelsüblichen Motorrad-Motor geschweißt... Und nicht vergessen, die Entwässerungs-Rohre liegen noch immer 30cm oberhalb der jetzigen Fahrbahn-Oberfläche... Richtig spannend wurde es dann, als die 'Neue Strasse' gesperrt war: Dann ging es, nach einer 180Grad Kurve, in einer (knapp einspurigen) Behelfs-Behelfs-Strasse den Berg hinunter, bis sich so etwas wie ein Fluss-Tal fand, durch das wir werbegerecht, ungebremst durchfuhren. Keine Umleitungs-Schilder, man folgt einfach den Spuren im Schotter. Das waren dann die Stellen, an denen man mit einem Mini-Bus endgültig stecken geblieben wäre. Vereinzelt fanden sich auch Spuren von Bergungsaktionen... Nach gefühlten 200km [und nach Karte genau 199km] war die Baustelle dann zu Ende (und ich auch). Die restlichen Kilometer zwischen Gzantse und Shigatse verliefen dann wieder völlig unspektakulär auf einer asphaltierten Nebenstrecke (siehe oben).

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3 Comments:

Blogger joachim said...

Irgendwo hab ich doch auch gelesen: "worst road conditions you´ll ever meet"...und danach kam noch ein Nachsatz "also food not as nice as Lhasa"...den Bericht vermissen wir noch. Aber Ihr habt den Trip ja gut überstanden...

5:43 nachm.  
Blogger Katharina said...

Was ist denn ein SUV? Man erahnt ein Gelände untauglichen Geländewagen???
Ein alter T3 synchro ist das wohl nicht (neulich gesehen/probiert) ....
Seid froh, daß ihr ein Exemplar der wirklich funktionierenden Art hattet und nicht bei Kilometer 200 liegen geblieben seid!!

6:53 nachm.  
Blogger mj said...

SUV steht für 'Sports Utility Vehicle' und ist der Inbegriff der 'Gas Gussler', also der Sprit Verschwender. Die Toyotas scheinen für die Wüste jedoch sehr gut geeignet, schließlich sind 99% der Fahrzeuge 'Land Cruiser'.
Mit einem T3 Synchro wäre man da natürlich u.a. aufgrund des längeren Radstandes, viel besser durch gekommen.

8:36 nachm.  

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