Dienstag, Mai 15, 2007

Zwischen Traum und Realität!!! (2.Anlauf fuer meine Version)

Nach unserem Fußmarsch zurück zum Base Camp fanden Margret und ich die anderen in einem der Übernachtungszelte vor. Irgendwie schien jeden eine Art Lethargie oder vielleicht war es auch nur Erschöpfung erfasst zu haben. So warf ich mich auch erstmal auf eine, der mit Teppich ausgelegten Bänke. Nach 30min. des vor mich hin Dösens, hörte ich vorm Zelt Margrets Lachen und ein Stimmengewirr aus Englisch, Chinesisch und Tibetisch. Neugierig geworden erlangte ich wieder ein wenig Energie und leistete Margret draußen in der Sonne bei einem Lhasa-Beer (das einem nach einiger Zeit sogar schmeckt) Gesellschaft. Wir unterhielten uns mit einer Tibeterin über Ihre ausliegenden Souvenirs und ein Tibeter wollte Margret unbedingt seine Kette verkaufen... Damit der Spaß nicht einseitig wurde, fand unsere tibetische ‚Gastgeberin’ Freude daran das Bierglas gleich wieder aufzufüllen (Gott sei Dank fasste dies nur ca. 15cl.). In der Sonne, auf der Matratze sitzend, den höchsten Berg der Erde genießend, ließ es sich gut aushalten. Und ich träumte schon vom baldigen Sonnenunter- und morgigem Sonnenaufgang mit freier Sicht auf den Everest. Aber alles kam anders: Plötzlich trat Mirko aus dem Zelt und bat mich mit ernster Miene doch bitte mal reinzukommen... Irgendwie war gleich klar, dass etwas nicht stimmte. Jack, unser jüngstes Gruppenmitglied war plötzlich ziemlich schlecht dran. Er klagte über Schwindel, Kopfschmerzen, leichte Übelkeit, war schlisse blass, Puls von 115bpm, hatte zyanotische Lippen und war tachypnoeisch...Oh Mist, was nun??? Zuerst einmal brachten wir Ihn in 30 Grad Oberkörper-Hochlagerung und besorgten O2. Das half aber nur bedingt... da es mittlerweile schon 19:00 war und die Dämmerung drohte, verblieb also nicht gerade viel Zeit für Entscheidungen. Hinzu kam dann noch auf mein Nachfragen die Info, das Jack seit dem Vormittag nicht mehr gepieschert hatte... Mirko und ich stimmten darüber überein, dass Jack auf unsere letzte Übernachtungshöhe gebracht werden musste, wollten wir kein Risiko eingehen. Mit meiner unendlichen Erfahrung in ‚Altitude Medicine’ entschloss ich mich ihm vor Abfahrt, nachdem ich mit seinen Eltern gesprochen hatte, noch Dexa-Methason i.v. zu geben. Das ganze andere, insbesondere unseren überforderten Guide und einen der Fahrer zu veranlassen sich ihrerseits um einen Plan-B zu bemühen hab ich dann lieber Jacks Vater und Mirko überlassen. 19:20 machten wir uns auf den Weg. Während Mirko mein Rucksack und die Medis (plus Reserve 02) in den anderen ‚Land Cruiser’ brachte und ich noch schnell versuchte etwas von dem Bier los zu werden, wurde Jack schon mal ins Auto verladen. Unser Guide und der Fahrer vorne, Jack mit Vater auf dem Rücksitz und ich im Laderaum, ging unsere Evakuierungsfahrt los. Wollten wir zuerst noch zurück fahren zu unser letzten Übernachtungsstätte (4h, davon dann 3h im Dunkeln), holte nach 15min. Fahrt unserer Fahrer über entgegenkommende Fahrzeuge die Info ein, dass Old Ting’ri nur 2h entfernt und noch etwas tiefer liegt. Jacks Vater und ich entschieden uns dieses Risiko einzugehen [Welch Leichtsinn, lest mal das Army Handbook]... unter dem Wissen, dass Handyverbindung zwischen uns und Mirko zeitweise möglich war und wir die anderen informieren können [nützt auch nichts, wenn man nicht weiß, wo man ist und das Werkzeug in unserem Fahrzeug lag!]. Die Strecke stellte sich dann als besonders holperig heraus und ich bedauerte jeden Schluck Bier mehrmals... mir war auf der Ladefläche so übel und desto mehr Jack wieder Farbe annahm desto fahler kam ich mir vor. Nach gut einer Stunde schien das Dexa anzuschlagen und Jack ging es besser, insbesondere seine Lippen-Zyanose war deutlich rückläufig...auch seine Diurrese setzte dann im weiteren wieder ein (und ich gelobe, dass nächste mal auch an Lasix zu denken!!! So hatte ich nur Diamox als Diuretikum zur Hand). Als er nach einer Stunde lieber sitzen wollte, anstatt zu liegen, wusste ich das wir richtig gehandelt hatten und erst als Jacks Vater sagte: ‚Schaut noch mal zurück: Der Everest!’ (Es sollte unser letzter wirklich freier Blick auf den Berg aller Berge sein)... kam mir alles andere wieder in den Sinn. Unsere Fahrt gestaltete sich hingegen zunehmend spannend und aufgrund meines rebellierenden Magens war ich meinerseits sehr froh nach vorne auf den Rücksitz umwechseln zu können. Unsere Strasse aus Sand und Steinen, gerade mal so breit wir der Wagen, machte nun mehr und mehr ungeahnte Kurven mit fast 90 oder mehr Grad Winkeln und fiel auf der Seite steil mehrere 100m ab. Die Dämmerung nahm zu und wir waren nur noch halb so zuversichtlich wie zuvor... so schnell ändern sich die Emotionen... Aber dann wurde es flacher und wir waren erleichtert. Den gefährlichsten Teil schienen wir hinter uns zu haben...selbst wenn wir im Auto hätten übernachten müssen, so waren wir doch sicher unter 4300m und außerdem hatte jeder genug Zeugs dabei um nicht zu erfrieren. So fuhren wir dann auf einer bis zum Horizont reichenden Ebene an Yak-Herden und Nomaden Zelten vorbei und konnten uns auch hier und da nach dem Weg erkundigen. Doch dann schien unser Glück ein Ende zu haben. Ein Fluss ohne intakte Brücke, der viel Wasser führte und eine erhebliche Strömung aufwies, hinderte uns an der Weiterfahrt. Unser Guide, der Fahrer und Jacks Vater machten sich zu Fuß zu Erkundungstouren auf (ohne Taschenlappe [Helden, könnte uns nicht passieren, nicht Bernd?]). Ich suchte und fand dann Mirkos Taschenlappe in meinem Rucksack und händigte sie unserem Guide aus. Dann wartete ich mit Jack im Wagen auf die weiteren Geschehnisse. Jack war weiterhin stabil, aber auch ziemlich erschöpft und die Uhr zeigte auch schon 21:30 an. Dann kam unser Fahrer und Jacks Vater wieder. Unseren Guide (mit Taschenlampe) hatten sie an der Stelle postiert, wo Ihrer Meinung die Möglichkeit bestand mit dem Wagen durchzukommen. Für Debatten blieb kein Raum, entweder es geht oder nicht...manchmal ist das Leben einfach...und das Glück war auf unserer Seite - Es ging!!! Danach waren wir nach mehreren Nachfragen noch ca. 30min. unterwegs, bis wir ein ‚Guesthouse’ fanden, indem noch etwas Platz für uns war. So fielen wir dann auch gleich in unsere Schlafsäcke und ich war froh, mir keine weiteren Gedanken mehr um Jack machen zu müssen. Fast war mir dann schon die Dankbarkeit von Jacks Vater peinlich... Er entschuldigte sich mehrmals wegen der Umstände und dass es ja der Höhepunkt unserer Reise war: Aber auch der höchste Berg ist und bleibt nur ein Berg, ein Leben hingegen ist und bleibt einfach Alles. (Außerdem hab ich somit eine spannende Geschichte mehr –Zwinker-). Fazit: Nehme immer genug Dexa und Lasix mit und vor allem trinke kein Bier, wenn Du der Doktor bist!!!

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2 Comments:

Blogger Ann-Katrin said...

sehr schönes schlusswort !
obwohl das hauptmanko wohl war ,dass du als wichtigste person im laderaum gesessen hast. das wäre doch ein guter platz für den guide ohne karte und ohne ahnung gewesen.

9:06 vorm.  
Blogger Caesar said...

ok, solch wichtige Erlebnisse und dann noch aus dem vernetzten Hotelzimmer gehören gar wahrlich der geneigen Leserschaft mitgeteilt... Viele Grüße

12:36 nachm.  

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