Montag, November 12, 2007

EXPO oder ein déjà vu?

Fensterputzer Auf dem Weg zum Hotel legte der Taxifahrer genau vor der EXPO-Uhr einen U-Turn der besonderen Art hin, nicht nur das es verboten war einen U-Turn zu machen, die Kreuzung war auch noch völlig verstopft. Um sich dann doch noch einigermaßen vernünftig wieder einzuordnen, machte er einen Schlenker und so kam die Uhr genau in mein Blickfeld. Aber nicht nur für die Expo (1. Mai 2010 bis 31. Oktober 2010), hat sich Shanghai noch einiges Vorgenommen, auch schon für die Paralympics (Oktober 2008) soll die Stadt präsentabel sein: Kein Spucken mehr in der Öffentlichkeit, kein Gähnen mit offenem Mund, kein Hupen im Straßenverkehr, kein Fußgänger mehr die bei rot über die Straße gehen, Platz in der Metro für Alte und Behinderte machen etc. Einige Punkte scheinen hoffnungslos, bis 2008 oder auch bis 2010. Aber zu meiner großen Überraschung ist das Spucken deutlich zurückgegangen, das Gähnen bei offenem Mund ist immer noch sehr beliebt und offenbart dabei jedes Mal eine Horroransicht für Zahnärzte (frei nach dem Motto ‚Black is Beautiful’). Auch die gelangweilten Verkäufer und Verkäuferinnen sind ein harter Brocken. Noch hoffnungsloser ist das mit dem Hupen: Ohne das geht gar nichts, ob erlaubt oder verboten. Die Fußgänger haben sie mittlerweile im Griff: Noch im Mai war an jedem Fußgängerüberweg einer Kreuzung ein Hilfs-Polizist (Traffic Assistant) mit einer dieser ultralauten Trillerpfeifen (die mit ohne Triller). Jeder, der auch nur daran dachte bei Rot über die Straße zu gehen wurde so lange angepfiffen, bis die gewünschte Reaktion eintrat. Sehr wirkungsvoll aber auch sehr personalintensiv. Jetzt sind die ganzen Traffic Assistants verschwunden und sie warten dennoch alle brav am Bordstein. Ein kleines Wunder. Aber nichts gegen das was sich zurzeit in der Metro abspielt: Da stehen junge Leute für Alte auf! Und das ohne Nachfrage, oder Drängeln von Seiten der Alten und/oder Gebrechlichen. Gegenüber letztem Oktober ist das einfach unvorstellbar. Nicht das Ihr jetzt denkt, die sind hier alle zu Gutmenschen geworden: Das Besteigen der Metro ist immer noch Krieg pur: Einsteigen und Aussteigen zur gleichen Zeit und gegeneinander. Na ja, noch haben sie ja fast ein Jahr Zeit…

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3 Comments:

Blogger Katharina said...

Hängen denn jetzt an öffentlichen Plätzen, die Benimmziele des nächsten Jahres öffentlich aus? (so wie in Japanischen Firmen das Ziel des Jahres) Oder wird die Bevölkerung damit beschallt oder ....
Eigentlich erschreckend wie anpassungsfähig die Chinesen sind-vielleicht müssen wir uns doch fürchten. Bei uns würden solche Ansagen von Oben zu genau gar nichts führen, was eigenlich auch nicht so schlecht ist.

5:18 nachm.  
Blogger QualiHolge said...

Mich würde ja mal interessieren, warum Mirko so fasziniert über "Da stehen junge Leute für Alte auf!" berichtet. Haben sie dir etwa einen Platz angeboten?

9:07 nachm.  
Blogger sb said...

Ich glaub`s nicht...No spitting und gesittetes über die Strasse gehn...und in der Metro aufstehn...
oooooooooohhhhhhhhh...komm da ja gar nicht drüber wech. Bist du wirklich in Shanghai???
Naja wenigsten hast Du noch den Spaß beim Ein- und Aussteigen, aber wenn die so weitermachen... gibt es bald gar nix mehr zu Berichten. Obwohl im Zweifelfalle mache eine längere Zugfahrt so über 2 Tage und da hast Du sie wieder die ´chinesischen Tugenden´
...(für die, die das jetzt nicht verstehen...bitte im Archiv unsere Zugreise nach Tibet nachlesen. Ich sage nur Zähnputzen und ich will ein No-spitting T-shirt)

11:50 vorm.  

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