Sonntag, November 12, 2006

Der ‚Foreign Language Bookstore’ oder die Reinkarnation von ‚Foyle’s of London’

Laut Führer soll es einen ‚Foreign Language Bookstore’ in Downtown Shanghai geben. Nach den üblichen ‚Decoys’ um den eigentlichen Landen herum, war ich in den Reinkarnation von Foyle’s, London: Mittelhohe Regale, in die ziemlich wahllos, schon einigermaßen abgegriffene Exemplare neben in Cellophan-Folie eingepackten, neuwertigen Büchern, fein säuberlicher noch Verleger sortiert, aufgereiht waren. Der Großteil des Erdgeschosses befasste sich mit Sprachen. Auf der Suche nach dem neuen Oxford Thesaurus , der in Hongkong in jedem Eckbuchladen angeboten wurde (un mir dort einfach zu viel Schlepperei war), kam ich nicht nur an so manchen ‚alten Bekannten’ vorbei, sondern hatte ich das Gefühl, dass die Bücher alle mindestens 10 Jahre alt waren (Ja, also wirklich wie bei Foyle’s vor 10 Jahren!). Den Thesaurus hatten sie natürlich dann auch nicht in der entsprechenden Auflage, sondern nur in einer, die noch älter ist als meine… Im ersten Stockwerk (also hier der 2te Stock) wurde es dann unheimlich: Alles war zugestellt mit Unterlagen für die unterschiedlichen Tests. Ganz Prominent natürlich der amerikanische TOEFL-Test. Immer Testbögen und Antworten zusammen. Es gab auch ein paar Sprachkurse, davon wiederum die meisten aus Compact Cassette! (Jetzt sind wir eigentlich schon in den 80er Jahren.) Am Gang zum Notausgang (aka Treppenhaus) gab es insgesamt 5 Regale mit Lehrbüchern: 1,5x Engeneering, 0,5 Accounting, 1x Mathematics, 2x Medicine. Eine sehr gute Auswahl an Titeln, wenn auch wenn es hier wiederum um die Aktualität nicht zum Besten stand: Der schöne neue Stryer, Biochemistry war noch in der alten Auflage zu bewundern, ebenso erging es Alberts, Molecular Biology of the Cell, aber dafür fanden sich auch Ogata Modern Control Eng. und Gray, Analog Circuit Design. Ein richtiges ‚Who is Who’. Bei den Medizinern wurden die Textbücher dann noch älter und abgegrifferner. Das einzige Buch ohne eine Millimeter hohe, dunkel graue, cremige Staubschicht war ‚Atlas of Gyneacology’…
Springer Graduate Texts in Mathematics, Cover Die Überraschung war das ‚Mathematik Regal’: Freundlich grinste einem das ‚Springer Gelb’ an: 100 Bände (Leider nur 50 verschiedene) GTM (Graduate Texts in Mathematics). Die Staublage auf den Büchern, verfärbte auch diese Kanten dunkel grau. Es waren einige interessante Bände dabei, die meisten natürlich—wie es sich für die Reihe einfach gehört—völlig abgefahren. Ebenso war der Preis der Bände: Yuan66, also EUR6,60(!!) für die ‚Probability Theory’ von Loeve. Bei Amazon kosten Loeve, Probability Theory I/II jeweils USD69.95. Das ist ein Faktor 10 und meines Erachtens für das Werk ein angemessener Preis. Mit 66Yuan kostet das Buch hier soviel wie ein großes Bier in einer Gaststätte oder ein ‚Essen für 2’ bei McD. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Bei den Büchern handelt es sich um offizielle Ausgaben (ich habe nachgefragt!), gedruckt auf säurefreiem Papier mit ISBN-Nummer. Nicht das ich etwas dagegen habe weniger für ein Buch zu bezahlen, aber wenn das gedruckte Wissen auf der einen Seite der Welt, auch bei Berücksichtigung der hiesigen Kaufkraft, so verramscht wird, wird man in Europa bzgl. der verlangten Buchpreise doch deutlich übervorteilt. Wie war das noch mit dem freien Güter und Warenverkehr, liebe WTO?

6 Comments:

Blogger Katharina said...

Sind die Fachbücher denn in englisch geschrieben oder liegt da eine gewisse Mischform vor? Auf dem Buchdeckel sind ja auch chinesische Zeichen zu erkennen.

8:12 nachm.  
Blogger Joachim said...

Mit Deinen umfangreichen "China-Connections" könnte man da doch...ganz im Sinne der WTO einen schwunghaften Handel betreiben, Du kaufst die Bücher unter dem Vorwand sie mittellosen Universitäten im Osten Spenden zu wollen, läßt Dir dort eine Spendenquittung geben, lieferst aber nur Buchatrappen ab (so wie Du sie beschrieben hast liest die sowieso nie irgendwo einer, die Chinesen haben bestimmt auch heimlich Fotos von der Langnase gemacht der die letzte Ruhe dieser Bücher gestört hat) und verkaufst dann die echten Bücher über Deine "Geek-Connections" zu 60% des OVP...so kommt bald die erste Million zusammen!

Und getreu meiner Zwanghaftigkeit als Ortographie-Nazi heißt es Reinkarnation, hat ja nix mit der Kanalisation gemeinsam, sondern mit der Rückkehr in das Fleisch / carnem...bin ja schon ruhig ;-)

9:22 nachm.  
Blogger Silke said...

öhm und dass eigentlich interessante...für wieviele Bücher muß ich Platz schaffen und kommt mit Dir noch ein Container für alle Deine "Neu"erwerbungen.
(hier denn auch noch mal die Frage:Warum "brauchen" wir einen Wokhalter-wir haben doch gar keinen Wok-,oder? etwa mittlerweile doch?)

Vielleicht ganz gut dass ich am Sonntag Dienst hab, dann kannst Du alle Deine "Schätze" heimlich im Haus verstauen und mir nach und nach vorstellen.

Freu mich aber trotzdem schon auf Dich und bedauere Dich jetzt schon; dass sieht mir doch wieder nach einer ausführlichen Zollkontrolle aus.(lächel)Aber die Beamten sollen ja auch ab und zu Ihren Spaß haben.

10:47 nachm.  
Blogger mj said...

Das einizge Chinesisch in den Büchern ist auf den Cover und der ersten Buch-Seite, wo Springer-Verlag noch einmal in chinesisch gedruckt ist. Fehlen tut dafür die Zusammenfassung des Inhalts auf der Cover-Rückseite. Ich habe nur 5 Bücher gekauft und einen Wok haben wir noch nicht, den gibt es, wie bei der Beschaffung des Wok-Halters beschrieben, aber auch, in Edelstahl, bei eBay. Ohne Halter nützt einem ein Wok doch gar nichts, also erst Halter kaufen, dann den Wok.

12:15 vorm.  
Blogger Joachim said...

Aber wenn man den Wok schon mal hat ist die Motivation einen Halter zu kaufen größer...und ich kann mich da an jemanden erinnern der erst das Gehäuse für einen Computer gekauft hat und dann...bin ja schon ruhig!

12:53 nachm.  
Blogger mj said...

Du hast doch auch nicht erst die Küche und dann das Haus gekauft (viel Spaß beim Sofa :-).

1:18 vorm.  

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