Dienstag, Mai 01, 2007

Toiletten-Geschichte

Nein, es wird mal nicht eklig. Im Zug ist mir nur aufgefallen, dass auch bei den Toiletten eine 2-Klassen-Gesellschaft vorherrscht. Die 'Soft-Sleeper' (echte Weicheier halt [ich wäre gerne Weich-Ei gewesen!]), brauchen natürlich auch Toiletten 'allgemeiner', europäischer Machart. Alle anderen müssen mit der heimischen Methode Vorlieb nehmen (nach 24h und ca. 60 Reisenden pro Wagon, war das aber eh egal [schlimmer noch, es war immer eine Schlange vor den Toiletten, also 24h Dauerbenutzung, ohne jedwede Art der Reinigung][[Mirko war der Eklige!]]. An den Wänden gab es dafür, mit Klebestreifen befestigte 'Plastik-Blümlies', die dem Gesamteindruck eine gewisse Skurrilität verlieh. Übrigens merke: Immer genug Taschentücher oder Klo-Papier [Merke: Klo-Papier muss nicht immer gleich Klopapier sein, das hat schon so seine Feinheiten, das mit der Getrennt und Zusammenschreibung, Der Sekretär] mitnehmen!!! [oder Kacken lernen, wie die Chinesen, die brauchen nämlich kein Klopapier! Vielleicht sollte ich doch so eine Edelstahl-Senke mit nach Deutschland nehmen: Von den Chinesen lernen, heißt sparen lernen!]

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Eine Zugfahrt, die ist lustig (Fortsetzung)

Heute Morgen gegen 07:00Uhr [29.04, zweiter Zug-Tag] bin ich in meiner Koje von der Sonne wach gekitzelt worden. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte dann eine ganz andere Welt: Eine schier unglaubliche Weite - Die Tibetische Hochebene - über 4000m hoch gelegen, erstreckt sie sich, in Form einer menschenleeren Steppen-Landschaft bis zum Horizont. Zum Teil waren die Flüsse und die Wasserlöcher noch zugefroren und erst allmählich färbte, die gerade aufgegangene Sonne die ' Mondlandschaft', in einen freundlicheren, in den spiegelnden Eisflächen, güldenen Farbton. Traumhaft, aber leider mit der Kamera nicht festzuhalten [da hätten wir doch die bessere Nikon mitnehmen sollen!] ich lag ja noch in meiner Koje, sorry [blöde Ausrede]. Leider ließ sich der friedliche Gesamteindruck all meiner Sinne nur kurz aufrechterhalten. Stieg mir doch schon der Geruch, der schon wohlbekannten 'Instant-Nudel + Trockenfleischbeilage-Suppe' in die Nase. Ja, man isst die hier zu jeder Tages- und Nachtzeit! So, an meinen nun ebenso erwachten Magen erinnert, begann ich mit der Prozedur des Aufstehens, was gar nicht so leicht fällt, wenn man keinen Platz zum Sitzen hat (noch nicht einmal ich - wie macht Mirko das denn nur in gleicher Koje 12 Wagons weiter hinten? Schade, da wären sicher auch ein paar lustige Fotos drin gewesen [Das ist Körperbeherrschung und blindes Vertrauen in den chinesischen Maschinenbau]). Irgendwie habe ich es dann geschafft und hoffte aufgrund des sich noch in Grenzen haltenden chinesischen Geräuschpegels schneller im Waschbereich zu sein, als die 'Zähne-Putzer'... Leider zu spät. Aber man adaptiert sich ja, so ließ ich mir meinen aufgesparten Müsli-Riegel (Ja, Daniel und Ann-Katrin, Müsli-Riegel) und meine letzte Instant-Kaffee-Ration schmecken. Danach versuchte ich ein paar Fotos aus dem Zug heraus zu machen. Die Landschaft zeigte erneut ein etwas anderes Bild: Nun ließen sich am Horizont immer mehr Schnee bedeckte Bergketten ausmachen. Je nach Zug-Lage und 'Fensterausguckseite' [da guckst Du, was denn das für ein Wort?], mal von der Sonne zum glitzern gebracht und mal in einen leichten Schatten getaucht. Die Steppenlandschaft zeigte jetzt im Permafrost Boden mehr Zerfurchungen und vereinzelt waren auch Nomaden-Zelte, sowie Schaf- und Yak-Herden auszumachen. Je weiter der Tag fortschritt, desto größer wurde der Anteil an Besiedelung der Hochebene (einher gehend mit dem Grad des spärlichen Bewuchses einer Moos-/Gras-Art). So versuchte ich mich erst einmal mit dem 'Yak aus dem Zug heraus Fotografierens'. Nur gut, dass es Digital-Kameras gibt. Sonst wären sicher 2 Filme dabei draufgegangen, ein halbwegs vernünftiges Foto zu erhalten.

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Die Chinesische Gurken-Maske

Als ich Mirko in seinem Abteil besuchte, wurden wir Zeuge einer 'Kosmetischen Behandlung' (Hallo Brigitte [Uschi], etwas für Dein Programm!). Warum sich denn die Mühe machen und die Gurke in kleine [dünne] Scheibchen scheiden? Ist doch viel zu verschwenderisch! Man kappe einfach die Enden, die man ja doch nicht isst, und reibe sich mit diesen sein Gesicht ein... Ist voll abgesagt, bei dem weiblichen, chinesischen Jungvolk um die 16. Das Mittelteil wurde während der 'Behandlung' dann auch gleich verspeist. Und das tollste: Da die Gurke 2 Enden hat, bekam das zweite gleich die Freundin.

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So wie man es sich vorstellt

Wir waren mal wieder gerade beim Essen (war eine willkommene Abwechslung und gute Methode sich auf halben Wege im Zug zu treffen). Der Speisewagen war relativ voll. An dem Tisch neben uns saßen die freundlichen Polizisten und unterhielten sich bei mitgebrachten Grünen Tee gerade angeregt, als plötzlich eine Frau Parteigenossin [Mitte 50], mit etwas strenger Frisur und mehr Schminke, als sonst so angesagt war, mit ihrem Gefolge erschienen. Kurzer Wortwechsel und schon schossen unsere [Bahn-]Polizisten wie von der Tarantel gestochen aus ihren Sitzen und räumten das Feld. Danach wurde neben dem Bestellten, auch sogleich eine Flasche Schnaps spendiert. In einem Film hätte man das Klischee wohl nicht besser bedienen können.

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Montag, April 30, 2007

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Trotz der kleineren (von Mirko 12 Wagons getrennt zu sein) und größeren (irgendwann in 49h nicht umhin zu kommen, eine Toilette benutzten zu müssen) Unannehmlichkeiten, macht es trotzdem Spaß mit dem Zug zu fahren [nehmen wir eigentlich an der gleichen Reise teil?]. Noch sind nach 19h Fahrt keine Berge und nur kleinere, zum Teil im Terrassen-Bau erschossene, Hügel zu sehen. Daneben gibt es im ländlichen Bereich die typischen kleinen Landwirtschafts-Parzellen [siehe Zugfahrtbericht nach Hong-Kong] meist mit wechselnden (meist 2-3 verschiedenen Sorten) Kulturen zu begucken. In den Städten gibt es die 'üblichen', eben landestypischen Plattenbauten und Industrieanlagen in einer eher trüben, grau/braunen Trostlosigkeit, mit zahlreichen eingeschmissenen Fenstern. Der Eindruck wird vom Wetter (alles liegt im Dunst oder ist es Smog [it's called 'Feinstaub', Baby] noch verstärkt. Meine Mitreisenden sind auch spannend: Zum einen ein junges Pärchen (die eher 'normal sind') und dann eine typische chinesische Familie (Mann, Frau und ein ungefähr 15 jähriger, durch die Einkind-Politik restlos verwöhnter Bengel). Der Junge hat von den 19h sicher 15h irgendeine Art Game-Boy gedaddelt [Sony Playstation Protable, wer hat hier mit Kindern zu tun?] und reduziert dies nur für seine fast kontinuierliche Nahrungsaufnahme und ein paar Stunden Schlaf. Sein BMI unterscheidet sich deshalb auch nicht von dem seiner westlichen 'Artgenossen' [definitiv 35++kg/m2]. Die Mutter scheint nett, aber wirkt etwas gluggenhaft im Verhalten ihrem Sohn gegenüber. Der Vater steht Mirko im Schnarchen nicht nach [wer schnarcht hier?], so dass ich mich letzte Nacht nicht umgewöhnen musste. Sonst ist er sehr ruhig und Patriarchen-Haft. Ich selbst habe eine der mittleren Schlaf-Kojen [das ist die teuerste!]. Eine Tür zum Gang oder zumindest ein Vorhang ist Fehlanzeige. Das bedeutet, ich musste mir erst einmal mit einem Outdoor-Handtuch einen Vorhang basteln, da mir das Flur-Deckenlicht sonst die ganze Nacht die Idylle eines Gefängnis-Traktes mit 'Weislicht-Folterung' beschert hätte. Zu meinem großen Entsetzten musste ich feststellen, dass ich meinen Anteil an Rosinen, roten Datteln und Cashewnüssen, die ich mir aus Mirkos Vorräten abgefüllt hatte, gestern Abend im Speise-Wagon liegen gelassen habe. Ich Trottel (naja, dann hat wohl jetzt jemand anderes seine Freude daran).

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Und Sie tun es doch!

Zuerst wollte ich es ja nicht ganz so recht glauben, dass die 'No Spitting' Schilder ihre Berechtigung haben, aber überall, wo sie sich nicht befinden, wünscht man sie sich (als Nicht-Chinese) sehnlichste herbei. Vielleicht sollte ich mir ein entsprechendes T-Shirt drucken lassen... Die Prozedur beim Zähneputzen im Zug war zumindest unbeschreiblich [und was tust Du jetzt?]: Alle, die mich kennen wissen, dass ich keine großen Probleme mit unästhetischen Gegebenheiten habe, aber das war echt eklig: Ein Gehuste, und sorry, so war nun einmal, Gerotze und Gespucke... nein nicht in die Toilette oder das Waschbecken, sondern vorzugweise in den Müll (der wurde allerdings noch nicht gelehrt und quoll schon über vor nicht zusammengefalteten Instant-Suppen-Bechern im XXL Format) oder den Fußboden zwischen den Wagons. Hier wünscht man sich ein Tuberkel Bazillus zu sein: Wenn jemand hier eine offene TB hatte, hat sie jetzt der gesamte Doppel-Wagon (es gibt nur eine Waschgelegenheit pro Doppel-Wagon!). Aber wir wollten ja authentisch reisen [dann wären wir im 'Soft-Seater' gefahren, das wäre ganz dicht man 'Original'], oder?

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Warten auf den Zug

Wie Mirko schon berichtete, ging es gleich in dem Wartebereich, in dem sich sicher schon mehr als 1000 Leute und ihr meist ausufernde (in Format und Menge) Habseeligkeiten tummelten. Mirko fand dann in der ersten Reihe noch ein kleines Plätzchen, mich ließ er in der Nähe ca. 1m neben einem Mülleimer samt Gepäck kampieren [Erst kampierten wir beide, dann rückte eine Chinesin auf und gab mir den Eckplatz]. Trotz Taxi-Fahrt waren wir (man nimmt ja langsam die Lebensweisheiten an) 2h zu früh da. Also galt es erst einmal Leute zu beobachten: Die Erfindung der am Po aufgetrennten Hosen für die noch nicht 'stubenreinen' Kids, finde ich zwar praktisch, aber auch eine luftige, etwas kühle Angelegenheit. Den kleinen Tibeter hielt es aber nicht davon ab einmal auf den Steinboden geplumpst, dort dann gleich sitzen zu bleiben. Interessant zu beobachten war dann auch noch die 'Reinigungskraft'. Nach Overall zu beurteilen, war sie tatsächlich offiziell und machte sich dann auch fleißig daran, den oben erwähnten Mülleimer durch die Eingangs-Öffnung, zu entleeren (der war aber noch gar nicht so voll). Dabei wird, wie wir schon des Öfteren beobachten konnten, erst einmal alles Verwertbare und somit zu barer Münze umschlagbare, aussortiert. Somit landeten mehrere leere Plastikflaschen gefährlich nahe neben mir (wen wundert’s, dass ich erst von einer hinterhältigen Art der Unmutsäußerung gegen Langnasen ausging). Nach dieser Vorlese gelang dann auch der Restmüll - vor allem [leider nur mehr oder minder feste] Essensreste - erst einmal auf dem Boden, dann wurde der fast leer Müllsack aus der Tonne entnommen und wieder befüllt. Jener wurde dann angehoben und dank eines großen Loches, verteilte sich der uns schon bekannte Inhalt, erneut auf dem Boden [Festbestandteile und Flüssigkeit]. Dieses 'Missgeschick' bemerkend, nahm unsere 'Reinigungskraft' geschwind eine weitere Tüte und schaufelte den Haufen mit viel vorbei fallenden Resten in das neue Behältnis: Ich sah schon, dass diese Tüte ein noch größeres Loch auswies, als die vorherige... In weiser Voraussicht hatte ich das Gepäck dann aber schon in Sicherheit gebracht. So ergoss sich alles bis zu einem 'Bannkreis' von ca. 50cm um mich herum. Und was geschah dann? Ganz einfach: Unsere Verunreinigungskraft machte sich Fluchs aus dem Staube [und wir ein Foto]. Mirko und ich konnten einfach nicht umhin dies mit einem herrlichen Lachanfall zu quittieren. (Wer weis, vielleicht handelt es sich ja um eine humoristische Einlage, um den Langnasen die Zeit zu verkürzen, denn außer für uns, schien es für alle anderen etwas völlig normales zu sein.)

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Die Abfahrt

Natürlich ging es nicht, wie angekündigt, vom 'International Terminal' der 'Shanghai Railway Station' los, sondern vom 'National Terminal', aber ein 'Multiple Entry Visa' braucht man doch. Aber der Reihe nach: Zuerst sind wir natürlich viel zu früh am Hotel angekommen, haben dann unsere Sachen neu geordnet (!?!), um dann endlos auf das vom Hotel organisierte Taxi zu warten. Letztendlich erbarmte sich der Sicherheits-Offizier des Hotels, rannte um die Ecke und kam 5 min. später als Beifahrer in einem Taxi vorgefahren. Die Taxifahrt dauerte dann mehr als doppelt so lange, wie die Metro-Fahrt. So konnte man sich noch einmal von der Wirksamkeit des Verkehrs-Leitsystems von Downtown Shanghai überzeugen. Wirklich schön bunt die Tafeln. Wir waren eigentlich immer auf einer gelb/orangen oder roten Strecke, egal wo wir gerade abgebogen waren. In der Bahn-Station wird man, nach dem obligatorischen Durchleuchten des Gepäcks, dann gleich in den entsprechenden Warteraum geschickt. In unserem 'Warteraum 2' waren die Reisen vor 3 Zügen, die auf die Erlaubnis warteten den Bahnsteig zu betreten. Man muss mindestens eine halbe Stunde vorher anwesend sein, die Reisenden tröpfeln so in den Warteraum hinein. (Die Toiletten-Räume sind einen Besuch wert: Zigaretten-Rauch geschwängerte Luft, im ganzen Eingangsbereich Humphrey Bogart 'Wanna Be's'. In Kombination der sonstigen Installation: Ein perfekter Flash-Back in die Sechziger.) Wird das jeweilige Gate, von nur 75cm Breite, dann für einen Zug freigegeben, stürmen die ca. 1000 Reisenden durch diesen Trichter: China Life. Konnte ich mich, dank meiner Masse und des Willens, nicht gegen diese Angehörigen dieser Hochkultur zu unterliegen, durchsetzen. Ich dachte, Silke würde meinen 'Windschatten' ausnutzen! Nach dem Gate habe ich dann ein paar Minuten warten müssen. Dann ging aber alles ganz schnell, ich in Wagon 13, Silke in Wagon 1. Noch bestand ja die Hoffnung jemanden zu finden, der mit uns die Plätze tauschen würde. Aber weit gefehlt. Damit es nicht zu einer Durchmischung der Klassen (in diesem Zug gibt es nur 'Soft-Seater', 'Hard-Sleeper' und 'Soft-Sleeper') kommt, waren die Zwischentüren verschlossen! Erst als alle ihre Plätzchen gefunden hatten und Lebensmittel für eine Weltumrundung überall verteilt waren und wir gerade Shanghai verlassen hatten, wurden die Türen geöffnet. Silke holte mich ab und wir sammelten auf dem Weg zum Speisewagen den Chinesen ein (Wagon 8, 'Soft-Seater'), mit dem wir uns schon in der Wartehalle unterhalten (und verabredet) hatten. Das war ein kluger Schachzug: Während es in dem Zug nach Hong-Kong noch englische Speisekarten gab, die zwar im Englischen etwas anderes angab, als im Chinesischen, führte dieser Zug nur eine handgeschriebene Karte und keinen Angestellten mit ausreichenden Englisch-Kenntnissen. So konnten wir erstmals eine 'Chinesische Nudelsuppe' genießen (natürlich in der chinesischen Essposition: Stäbchen rechts, Löffel links) und selbstverständlich (?!?) passt zur Nudelsuppe kein Bier (wie hätten wir auch nur darüber nachdenken können, etwas zur Suppe zu trinken!?!) Keine Angst, nach der Suppe war das mit dem Bier auch kein Problem mehr. Eisgekühltes Bier bei Nacht in einem Zug, herrlich.

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